Neun Monate durften ausländische Arbeitskräfte jeweils in der Schweiz arbeiten, dann mussten sie für drei Monate ausreisen. Viele Eltern brachten ihre Kinder ohne Aufenthaltsbewilligung über die Grenze und machten sich dadurch strafbar.
Weil sich die Familien illegal im Land aufhielten, mussten die Kinder still und unsichtbar bleiben. Die sogenannten «Schrankkinder» hatten keinen Zugang zu Schulen und waren nicht krankenversichert.

Wer nicht mit der Fremdenpolizei in Konflikt geraten wollte, liess seine Kinder im Herkunftsland zurück. Dort verblieben sie bei Verwandten oder wurden in Heimen untergebracht. Wurde eine Frau in der Schweiz Mutter, musste sie sich entscheiden, das Kind wegzugeben oder gemeinsam mit ihm das Land zu verlassen.

Falsches Instrument gegen Fachkräftemangel
Das Thema ist heute aktueller denn je: Die Chaos-Initiative der SVP richtet sich explizit gegen den Familiennachzug und liebäugelt erneut mit dem Saisonnierstatut. Die GRÜNEN warnen davor, Menschen auf ihre Arbeitskraft zu reduzieren, während ihre Familien und ihre sozialen Rechte ausgeblendet werden.

Das Unrecht darf nicht vergessen werden
Mit einem Vorstoss im Kantonsrat fordern die GRÜNEN zusammen mit SP, AL, EVP, GLP und Mitte eine umfassende historische Aufarbeitung der Auswirkungen des Saisonnierstatuts im Kanton Zürich. Insbesondere soll untersucht werden, welche Rolle kantonale und kommunale Behörden bei der Umsetzung des Systems spielten und welche Folgen dieses für die betroffenen Familien und Kinder hatte. Zudem verlangt der Vorstoss eine öffentliche Anerkennung des erlittenen Unrechts sowie die Prüfung einer Zusammenarbeit mit Betroffenenorganisationen.