Der Messerangriff in Winterthur ist durch nichts zu rechtfertigen. Seine politische Instrumentalisierung ebenso wenig.
Fraktionserklärung der GRÜNEN, SP und AL vom 1. Juni 2026, vorgetragen von Benjamin Krähenmann, Kantonsrat GRÜNE.
Wir sind bestürzt über den Messerangriff in Winterthur von letzter Woche. Den verletzten Menschen und deren Angehörigen sprechen wir unser tiefes Mitgefühl aus. Alle Betroffenen verdienen nun eine sachliche und lückenlose Aufklärung dieser Tat durch die Bundesanwaltschaft.
Dass die Messerattacke aber noch am gleichen Tag sowohl von der Sicherheitsdirektion als auch von der SVP politisch instrumentalisiert wurde, verurteilen wir klar. Während die Kantonspolizei, vertreten durch den Kommandanten Marius Weyermann, angemessen reagierte, hat der Sicherheitsdirektor die Verantwortung für sein Amt vermissen lassen.
Die Namensnennung durch den Sicherheitsdirektor geschah überstürzt und ohne jegliche Not, schliesslich befand sich der Täter zu diesem Zeitpunkt schon in Polizeigewahrsam. Auch die Benennung der Tat als Terrorakt war vorschnell. Ob die Tat als terroristisch motiviert einzustufen ist, werden die Abklärungen durch die zuständigen Behörden zeigen – insbesondere vor dem Hintergrund einer mutmasslichen psychischen Erkrankung des Täters.
Weiter ist es nicht zielführend, nur wenige Stunden nach der Tat bereits Schuldzuweisungen vorzunehmen. Um die Aufarbeitung durch die verantwortlichen Behörden und Aufsichtsorgane zu ermöglichen, erwarten wir eine lückenlose Dokumentation sämtlicher Kontakte und Interventionen zwischen den Behörden seit der Tat.
Hetze und politische Stimmungsmache gegen eine Bevölkerungsgruppe lehnen wir entschieden ab. Wenn nun Muslim:innen oder Migrant:innen durch einzelne Politiker und Parteien zur Zielscheibe gemacht werden, verschärft sich die Situation nur noch weiter. Und den Opfern der Messerattacke ist damit nicht geholfen.
Für uns steht dennoch ausser Frage: Religiöse Radikalisierung stellt eine reale Bedrohung für das friedliche Zusammenleben und den gesellschaftlichen Zusammenhalt dar. Umso wichtiger ist es, dass wir bei der Prävention ansetzen, niederschwellige psychologische Unterstützung anbieten und ein Gesundheits- und Psychiatriesystem etablieren, das Menschen rechtzeitig auffängt.
Ausgrenzende, demokratiefeindliche Ansätze sind fehl am Platz. Wir brauchen eine ernsthaft geführte Diskussion über das Zusammenleben in unserem Kanton – gerade auch in schwierigen Momenten wie diesem. Mitgefühl mit den Opfern, Schutz von Minderheiten und Vermeidung von Gewalttaten schliessen sich gegenseitig nicht aus, sondern gehen einher und sind für eine solidarische, friedliche und freie Gesellschaft unabdingbar.