Heute, am 11. Mai, ist der Swiss Overshoot Day. Die Schweiz hat ihr Jahresbudget an natürlichen Ressourcen aufgebraucht. Ab morgen leben wir ökologisch auf Kredit! Damit leben wir auf Kosten künftiger Generationen und anderer Länder. Das ist keine reine Umweltfrage. Es ist auch eine Frage von Versorgungssicherheit, wirtschaftlicher Stabilität, geopolitischer Resilienz.

Die Schweiz ist sehr stark importabhängig. Das gilt insbesondere für Computer, Fahrzeuge, Textilien, Lebensmittel oder fossile Energieträger. In einer geopolitisch unsicheren Welt mit fragilen Lieferketten und zunehmendem Ressourcennationalismus ist Abhängigkeit in Ressourcen fragen ein strategisches Risiko. Das gilt sowohl in Bezug auf importierte Ressourcen als auch in Bezug auf Ressourcen gebrauch. Damit ist Ressourceneffizienz und -suffizienz nicht nur Umweltpolitik, sondern auch Standort- und Sicherheitspolitik.

Eine der wirksamsten Antworten ist die Kreislaufwirtschaft: Was im Kreislauf bleibt, muss nicht neu produziert werden. Ein grosser Hebel liegt dabei beim Bau. Rund 40 Prozent des Rohstoffverbrauchs der Schweiz entfallen auf den Gebäudebereich. Wer mit lokalen, rezyklierten oder nachwachsenden Baustoffen wie Holz, Backstein, Recyclingbeton oder Ausbauasphalt baut, reduziert den Ressourcenverbrauch und muss weniger auf Kredit leben.

Der Kanton Zürich verfügt über starke Unternehmen und Institutionen, die zeigen, wie Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Ressourceneffizienz zusammengehen. Von Recyclingbeton, über Kreislaufdesign, Worn Again Technologies und Urban Mining bis zu Fleischalternativen. Diese Innovationen zeigen das es hier auch um Anliegender Wirtschaft geht.  Um die guten Bestrebungen der Wirtschaft zu fördern und die Kreislaufwirtschaft effektiv umzusetzen, braucht es folgende Massnahmen:

–   Öffentliche Beschaffung auf Kreislaufprinzipien ausrichten, um Langlebigkeit, Sekundärrohstoffe und Reparierbarkeit als Vergabekriterien zu verankern.
–   Kantonale Förderprogramme im Gebäudebereich fortführen und auf Anreize für Effizienz und ressourcenschonendes Bauen fokussieren.
–   Innovationsförderung auf Unternehmen ausrichten, die den Primärressourcenverbrauch senken und skalierbare Exportlösungen entwickeln.
–   Regulatorische Hürden für Re-Use und Sekundärmaterialien abbauen – und dazu wo nötig den Dialog mit dem Bund suchen.

Damit tragen wir dazu bei, weniger auf Kosten der nächsten Generation zu leben. Und die Wirtschaft gedeiht. Das ist Standortpolitik.

Den Swiss Overshoot Day nach hinten zu verschieben, bedeutet Ressourcen intelligenter zu nutzen, Abhängigkeiten zu reduzieren und Zürich als Standort für zukunftsfähige Wirtschaft zu stärken. Zürich hat das Know-how dafür – jetzt braucht es den politischen Willen. Damit unsere Kinder nicht unsere Ressourcenschulden zahlen.