Wieso wir für das Klima streiken

AZ-Forum-Beitrag von Michelle Spahn, Junge Grüne Weinland

Der Zustand unserer Erde liegt im Argen. Dies zu bestreiten, ist heute kaum mehr vertretbar. Aber je schlechter es unserem Planeten geht und je vehementer dessen Schutz eingefordert wird, desto undifferenzierter werden die Entgegnungen der Kritiker. Kandidaten werben damit, eine mögliche «Ökodiktatur» abzuwenden, es wird behauptet, es herrsche eine «kollektive Psychose» deren Auswüchse die Klimaproteste sind und es wird vor der «grünen Zwänglerei» gewarnt. Dies ist unsachlich und die gewählten Ausdrücke lassen die dahinter verborgene Blösse nur umso augenfälliger in Erscheinung treten. Wir Klimastreikenden möchten lediglich aussagen, dass wir nur eine Erde haben, deren Zustand bedenklich ist (eine nicht gerade kühne These) und dieser schnellst möglichst verbessert werden muss. Dies darf inhaltlich natürlich kritisiert werden, aber die pauschale Abwertung dieser Bemühungen lenkt vom eigentlichen Thema ab. Anstatt konstruktiv an der Debatte teilzunehmen, fokussieren Kritiker lieber auf die Eigenarten und Persönlichkeit der Protestierenden. Die Jungen werden als von der Klimalobby abhängig und fremdgesteuert dargestellt, eine Ansicht, die ich nicht teilen kann.

Im März 2019 sind schweizweit über 30’000 Menschen auf die Strassen, um gegen die Untätigkeit der Schweizer Politik ein Zeichen zu setzen. Persönlich lief ich in Lausanne mit und war beeindruckt von der Kraft, der Empörung und Wut der Leute. Wir Streikenden verstehen einfach nicht, wieso unsere Politik nicht vorwärts macht. Wieso hauptsächlich Männer über 50 über die Zukunft von uns jungen Frauen und Männern entscheiden - eine Zukunft die sie gar nicht mehr erleben werden. Wieso wir falsche Entscheidungen der älteren Generationen ausbaden werden müssen. Wieso es Menschen so schwer fällt, ihre Meinungen zu überdenken und sich an veränderte Situationen anzupassen. Woher diese Faulheit, das Ausblenden von Fakten, der Widerwille sich zu ändern kommt. Unter uns herrscht soviel Unzufriedenheit und Ohnmacht, wir wollen nicht länger ausgeliefert sein und deshalb gehen wir auf die Strasse. Unsere Forderungen sind klar: die nationale Ausrufung des Klimanotstandes, netto null Treibhausgasemissionen im Inland bis 2030 und, falls nötig, einen Systemwandel. Wir wollen, dass die Schweiz eine Vorreiterrolle in Sachen Klimaschutz übernimmt und wir stolz auf sie sein können. Diese Forderungen beruhen auf selbständigem, kritischem Denken und der berechtigen Sorge um unsere Zukunft. Wir verlangen, ernst genommen zu werden.