Vertreibung aus dem Paradies?

AZ-Forum-Beitrag von Alfred Weidmann,Grüne Weinland

 

Unser Wohlstand beruht auf billigem Erdöl, wir sind davon abhängig für Medikamente, Kunststoffe, Baumaterialien, Dünger, Pestizide, Treibstoffe, Zement, Stahl. Dieses goldene Zeitalter geht nun mit dem Ausstieg aus der fossilen Energie und dem Ziel  Netto-Null zu Ende.  Der Abschied vom billigen Treibstoff und Heizöl fällt schwer, das ist ein Grund für das Nein zum CO2-Gesetz.

 

Die Energiewende ist ein Projekt für die nächsten Jahrzehnte, sie betrifft alle Lebensbereiche und verlangt die Mitwirkung aller. Wissenschaft und Technik sagen uns, dass die Umstellung auf ein fossilfreies Leben möglich ist. Sie ist aber nicht zum Nulltarif erhältlich. Viele haben schon begonnen, fossile Energie durch Elektrizität zu ersetzen. Denn wer rechnet, weiss, dass  Elektrofahrzeuge im Betrieb billiger sind und dass Heizen mit der Wärmepumpe bequemer, sauberer und kostengünstiger ist.

Die Lösungen für Private stehen bereit, an der Energiespeicherung oder der  Versorgungssicherheit im Winter wird intensiv gearbeitet. Die eidgenössischen Räte werden demnächst über ein neues Strommarktdesign beraten, das den Rahmen für den nötigen Ausbau der erneuerbaren Energien gibt.

 

Viel zu wenig diskutiert werden die Vorteile einer Energieversorgung mit erneuerbaren Energien:  Sonne, Wind und Wasser kommen kostenlos zu uns, Sonne und Wind in einer Menge, die unseren Bedarf bei weitem übersteigt. Sie machen uns wirklich unabhängig, denn niemand kann die Zufuhr unterbrechen wie bei Öl, Gas und Uran. Wir sparen uns die Kosten für Importe und überdies all die damit verbundenen Transporte. Strom als Hauptenergieträger ist immateriell, der Strom wird weder «verbraucht» noch hinterlässt er Abfälle. Nötig sind Anlagen, um den Strom zu ernten (PV-Anlagen, Wasserkraftwerke), zu transportieren (Stromleitungen), in Kälte, Wärme, Fahrleistung, und in Kraft für die Industrie umzusetzen. Alle diese Anlagen müssen zwar gebaut und unterhalten werden, sie tun ihre Dienste über Jahrzehnte und können am Schluss zerlegt und die Rohstoffe wieder in den technischen Kreislauf für neue Maschinen eingebracht werden. 

 

Ich finde es anregend, mir vorzustellen, wie ein solches fossilfreies Wirtschaften funktionieren könnte. Es wird Verlierer geben, die ganze Erdölwirtschaft und ein Teil des Transportgewerbes. Andere Bereiche wie die Bauwirtschaft oder die Energiewirtschaft werden goldene Zeiten mit viel Arbeit haben, wenn die Energiewende forciert wird. Dies wird dann möglich, wenn wir auch die politischen Entscheide fällen. Nächste Gelegenheit ist die Abstimmung zum Energiegesetz des Kantons Zürich am 28.November.

 

Ich bin überzeugt: wir können eine Welt mit sauberen Erneuerbaren bauen, wo kein Mangel herrscht und wir in sauberer Luft ohne Abgase gesünder leben. Wären dies nicht paradiesische Verhältnisse?