Solidarität zwischen den Generationen ist nötiger denn je

15.05.2020

AZ-Forum-Beitrag von Martine Baumgartner, Vorstand Grüne Weinland, Henggart

Die gegenwärtige COVID-19-Pandemie zeigt eindrücklich, wie wichtig Solidarität in Krisenzeiten ist. Wenn von einem Tag auf den anderen die Schweizer Wirtschaft heruntergefahren und unser gesellschaftliches Leben durch den „Lockdown“ entschleunigt wird, damit durch die Epidemie nicht unser Gesundheitswesen kollaboriert, dann braucht es den Zusammenhalt von uns allen. Damit es funktioniert, nehmen wir die rigorosen Einschränkungen im privaten und öffentlichen Leben in Kauf. Wir bleiben möglichst zu Hause, machen Homeoffice, halten Abstand zu unseren Mitmenschen, meiden den Kontakt zu Risikogruppen, halten die vorgeschriebenen Hygienemassnahmen ein und übernehmen die Einkäufe für ältere Menschen, um sie vor einem Ansteckungsrisiko zu schützen. Diese Solidarität in der Familie, in der Nachbarschaft und der Gemeinde wäre undenkbar, wenn nicht unsere Regierung umsichtig und wegweisend Richtlinien erlassen hätte, um die Epidemie zu bekämpfen. Wie die aktuellen ETH-Zahlen zur Corona-Krise belegen, waren die vom Bundesrat empfohlenen Schutzmassnahmen richtig und haben eine Katastrophe im Gesundheitswesen abgewendet. Viel schwieriger als ein "Lockdown" hingegen wird die Lockerung sein, die ein pragmatisches Vorgehen mit lokaler und individueller Risikobeurteilung und viel gegenseitige Rücksichtnahme verlangen wird.

Wie wir diese Situation in allen Bereichen und über alle Generationen hinweg bewältigen, verdient Respekt. Sei dies auf Bundes- und kantonaler Ebene durch das Schnüren eines Massnahmenpakets für die Schweizer Wirtschaft von bisher über 57 Milliarden Franken, um Arbeitsplätze zu sichern, Härtefälle abzufedern und Firmen vor dem Konkurs zu retten. Sei dies durch die Sammelaktion der Glückskette mit Spendenzusagen von über 37 Millionen Franken. Oder sei dies durch die Solidaritätsaktionen unzähliger Freiwilliger im Dienste all jener Menschen, die als Risikopersonen während der Corona-Krise auf Unterstützung im Alltag angewiesen sind.  Ohne Solidarität zwischen den Generationen lassen sich die grossen Probleme unserer Zeit nicht lösen. Bei der Corona-Krise sind es vor allem die Jüngeren, die als „Verschonte“ mit Solidarität beweisen, wie ältere Jahrgänge und Risikogruppen - und somit auch die Gesellschaft -  vor der Ausbreitung des Coronavirus geschützt werden.  Im Gegenzug ist die jüngere Generation auf die Solidarität der Älteren angewiesen, wenn es beim Klimaschutz darum geht, wirksame klimapolitische Massnahmen mitzutragen. Diese werden im neuen CO2-Gesetz enthalten sein, das in der nächsten Session im Nationalrat zur Diskussion und in einem späteren Zeitpunkt als Referendum dann auch vors Volk kommt. Unsere Solidarität wird dann gefragter sein denn je, wenn es um die Zukunft der Jugend geht.