„So einen Sommer sah ich noch nie!“

AZ-Forum-Beitrag von Thomas Feer, Stammheim, Präsident Grüne Weinland

 

Dies sagte ein Bergbauer und manche Mitmenschen in unserer Region mögen dies bestätigen. Was haben wir alles erlebt? Vor wenigen Monaten waren Hochwasser ein Dauerthema über die ganze Schweiz. Vor zwei Monaten erschütterten die Bilder aus Deutschland die Welt und zeigten die ungeheure Kraft von Wasser, wenn es in Fluten regnet und strömt. Die Schweiz kam mit heftigen Sturmböen davon, doch die Schäden in den betroffenen Gebieten waren massiv. Maisfelder, die wie gemäht dastanden, Gemüsefelder im Wasserbad und die Thur randvoll mit schlammigem Geschiebe.

Im März erlebten wir milde Temperaturen, die den Frühling früh ankündigten. Doch dann kam Schnee in tiefere Lagen und die Vegetation verspätete sich um Wochen. Der Sommer blieb nass, die Kulturen litten unter Pilzbefall, Hagel und fehlender Wärme.

Aus anderen Regionen, dem Mittelmeer, aus Sibirien und aus dem Westen der USA erreichen uns Berichte von Hitzerekorden und grossflächigen Waldbränden. In Grönland wurden erstmals auf 3‘000 Meter Temperaturen über dem Gefrierpunkt und Regen beobachtet. Das Eis schmilz wie noch nie. Und andernorts wie etwa in Indien fallen enorme Regenmengen und lösen Überschwemmungen aus, die Kulturen vernichten.

Global denken, lokal handeln

Die Eisschmelze in Grönland und alle anderen Ereignisse zeigen uns, dass wir schon heute Folgen des Klimawandels sehen und spüren. Wie können wir die Erwärmung an den Polen mildern? Wir wissen es schon lange: wir müssen den Ausstoss von Treibhausgasen rasch bei Verkehr und Heizung reduzieren.

Das kantonale Energiegesetz, das am 28. November zur Abstimmung kommt, setzt auf die Dekarbonisierung der Heizung. Der Kanton fördert und erleichtert die Anwendung erneuerbarer Energien und die energetische Verbesserung von Bauten und Anlagen (Stopp der Energieverschwendung). Schon früher waren der Kanton und die Gemeinden ermächtigt, eine Energieplanung aufzustellen und sich an Körperschaften für erneuerbare Energien (Wärme und Strom) zu beteiligen.

Das neue Zürcher Energiegesetz bezweckt eine ausreichende, umweltschonende, wirtschaftliche und – neu – sichere Energieversorgung. Es ist ein Klimadeal, in dem Subventionen von Kanton und Bund die nötigen Massnahmen wirtschaftlich tragbar machen. Neubauten sollen ihren Energiebedarf möglichst selbst abdecken und Gemeinden obliegt die Information und Beratung der Bevölkerung.

Das Gesetz unterstützt den Ausbau von Wärmeverbunden, wie sie bei uns mit Holzschitzelheizanlagen in vielen Gemeinden seit Jahrzehnten betrieben werden. Mit der Dekarbonisierung unterstützt es das Netto-Null Ziel. Damit ist gemeint, dass die Schweiz so viel CO2 erzeugt – inklusive den Importen, wie die Erde in einem Jahr uns zugesteht. Konkret muss der Overshoot day der Schweiz wieder auf den 31. Dezember fallen. Dieses Jahr haben wir am 11. Mai das Energiebudget für das ganze Jahr schon aufgebraucht. Wir unterstützen darum das kantonale Energiesetz mit einem überzeugten JA.