Projekt Rosengartentunnel: Eine Milliarde Franken für mehr Verkehr

Mo 09.07.18

Der Rosengartentunnel löst keine verkehrstechnischen Probleme in der Stadt Zürich, er verschiebt sie nur. Anstatt weniger Verkehr erreicht man mit dieser «Stadtreparatur» einen höchst unerwünschten Kapazitätsausbau mitten durch die Stadt. Die Grünen verlangen die Beachtung der Klimaziele und eine wirkliche Verkehrsberuhigung durch weniger Verkehr. Die Grünen lehnen das Projekt klar ab.
Der Rosengartentunnel würde unweigerlich zu Mehrverkehr in der Stadt Zürich führen. Neben den vier unterirdischen Fahrspuren bleiben zwei oberirdische Fahrspuren auf der Rosengartenstrasse bestehen. Mit dieser versteckten Kapazitätserhöhung schafft das Projekt eine Ergänzung zum Nordring: Statt dass der Transitverkehr zwischen Glattal und A3 Richtung Chur um die Stadt gelenkt wird, setzt man die verkehrspolitischen Sünden aus den 70er Jahren fort und lockt den Verkehr mitten in die Stadt hinein.
 
Verkehrspolitik von Gestern
Der zunehmende Wandel des Klimas, die hohe «CO2»- und Feinstaubbelastung erfordern  eine fortschrittliche Verkehrspolitik. Das motorisierte Verkehrsaufkommen muss reduziert und nicht unter dem Boden versteckt werden. Von einer Reduktion fehlt im Rosengartenprojekt jede Spur. Die Kapazität des Tunnels ist grösser als die Kapazität des auffangenden städtischen Verkehrsnetzes: Dadurch wird sich der motorisierte Verkehr in den   Quartieren stauen und diese mit Lärm- und Schadstoffemissionen belasten. Zudem sind sämtliche Versuche, flankierende Massnahmen gegen den Mehrverkehr festzulegen, von der bürgerlichen Kommissionsmehrheit abgeschmettert worden. Bei den heute 56'000 Fahrzeugen pro Tag wird es nicht bleiben: den Schaden hat die Stadt Zürich.
 
Lärmbelastung: 700 km Strassen unsaniert

Nach Abschluss des kantonalen Lärmsanierungsprogramms (1987-2018) bleiben weiterhin 700km Kantonsstrassen unsaniert. Die Regierung hat den Bundesauftrag offensichtlich nicht erfüllt. Wenn am Rosengarten 1 Mrd. Franken für die Lärmsanierung von 600 Metern Strasse ausgegeben wird, ist es geradezu ein Affront gegenüber der lärmgeplagten Bevölkerung im Kanton, die an den weiterhin unsanierten 700 km Staatsstrassen lebt. Dort ist jeder Franken wirkungsvoller investiert.
 
Hässliche Tunnelportale

Der Rosengartentunnel wird als «Stadtreparatur» verkauft. Das geteilte Quartier Wipkingen soll wieder zusammengeführt und wohnlicher und lebendiger gestaltet werden. Diesen Effekt machen die hässlichen Tunnelportale am Wipkinger- und Bucheggplatz zunichte. Die Portale würden je die doppelte Verkehrsmenge des Gotthard-Tunnels aufnehmen können. Mehrere Häuser müssten dafür enteignet und abgerissen werden. Dadurch wird das Quartierbild und die Lebensqualität im Umkreis der Portale stark gestört. «Stadtreparatur» sieht anders aus. Sie muss über die Reduktion des Verkehrs zu erfolgen.