Vernehmlassungsantwort Grüne Winterthur

Das vorgelegte Verkehrskonzept stellt – insbesondere gegenüber früheren Planungen dieser Art – einen wirklich grossen Fortschritt dar. Es liefert eine ausgezeichnete Basis für die künftige Verkehrsplanung.  Dies nicht als Insellösung, sondern soweit möglich auch in Abstimmung mit raumplanerischen, bevölkerungspolitischen und wirtschaftlichen Aspekten der Entwicklung Winterthurs.

Erstmals wird klar darauf fokussiert, dass künftiges Wachstum möglichst umweltverträglich mit öffentlichem (ÖV), Velo- und Fussverkehr (LIV) bewältigt werden soll. Im engen urbanen Lebensraum können nur damit Lebensqualität und überhaupt ein Funktionieren der Infrastrukturen auch in Zukunft gewährleistet werden. Die Entwicklung von zwei (nicht mehr nur einem) Zentrumsgebieten (bipolare Stadt) scheint vernünftig und der Bedeutung von Winterthur im Konzert der grossen Städte der Schweiz angemessen.

Der Aufbau eines neuen ÖV-Hochleistungskorridors zwischen den beiden künftigen Zentren der Stadt –  mit der neuen Unterführung bei sowie der Anbindung der Bahnstation Grüze – ist begrüssenswert.

Die Zielvorgaben im Hinblick auf die Verkehrsanteile (bis 2030) sind gegenüber dem regionalen Verkehrskonzept 2005 für die Stadt weiter konkretisiert und (auch aufgrund der kantonalen Vorgaben) in die Richtung von weniger motorisiertem Individualverkehr (MIV) verschoben worden.

Damit auch der Verkehr seinen signifikanten Anteil an mehr Energie- und Ressourceneffizienz sowie zur Reduktion von CO2 beitragen kann müssen allerdings noch weitergehende Schritte geplant und umgesetzt werden. Mängel und Defizite orten wir hauptsächlich in folgenden Bereichen:

  • Verkehrsanteilverschiebungen in Richtung ÖV und LIV müssen noch ehrgeiziger angestrebt werden. Es darf insgesamt kein Wachstum mehr beim MIV geben. Freizeit und Pendlerverkehr mit dem Auto muss noch verstärkt entweder ganz vermieden (Wohnen und Arbeiten in Winterthur) oder dann möglichst ohne Beeinträchtigung der Umwelt sowie der Lebensqualtität der Mitbewohner abgewickelt werden. Um dies gesamtstädtisch zu erreichen muss im inneren Siedlungsgebiet eine Reduktion der Anzahl MIV-Fahrten angestrebt werden.
  • Um die hohe Leistungsfähigkeit des Feinverteilers (Bus) auf den ÖV-Hochleistungsachsen zu erreichen und zu erhalten müssen auf den entsprechenden Strassenabschnitten noch deutlichere Priorisierungen zugunsten des ÖV angestrebt werden. Mittel- bis langfristig muss die Aufwärtskompatibilität zu einem regionalen Mittelverteiler (z.B. Stadtbahn) gesichert und die Trassenplanung dazu jetzt angepackt werden. Neben dem geplanten Ausbau des Busnetzes sind weitere Haltestellen auf dem S-Bahn-Netz zu planen und mit dem Feinverteiler und dem LIV zu vernetzen.
  • Am Hauptbahnhof muss die Velounterführung Nord mit höherer Priorität als bisher geplant umgesetzt werden. Ebenfalls dort benötigt es künftig noch deutlicheren Ausbau an Veloparkierungsanlagen. Ähnliches gilt für Veloparkierungen an der Grüze. Gemeinsam mit den geplanten Veloschnellverbindungen in die beiden Zentren kann so der umweltfreundliche und gesundheitsfördernde Veloanteil im Pendlerverkehr deutlich gesteigert werden.

Unsere detaillierte Eingabe im PDF-Link unten.

 

9. Mai 2011, Reto Diener, Präsident