Klimawandel löst Waldsterben aus

18.09.2020

AZ-Forum-Beitrag von Thomas Feer, Präsident Grüne Weinland, Stammheim
 

Wer nach dem Lockdown Mitte Juni das Homeoffice verliess und mit dem Zug dem Thurtal entlangfuhr, konnte es nicht übersehen. Baumgruppen mit rot-braunen Kronen stehen vielerorts in grünen Wäldern. Es sind Bäume, die in den vergangenen Sommern durch Hitze und Klimastress geschwächt wurden und nun verdorrt sind. Tote Bäume gehören zum Wald, aber das jetzige Ausmass ist erschreckend. Dabei haben Waldbesitzer in den vergangenen zwei Jahren bereits zahlreiche geschwächte Bäume geerntet. Bereits ist jeder fünfte Baum geschädigt oder tot.

Die aktuelle Situation ist eine Folge des Klimawandels. Unser Wald ist in schlechterem Zustand als in den 80er Jahren, wo alle vom Waldsterben sprachen. Trotz Niederschlägen und milden Hitzephasen in diesem Sommer erholten sich die Bäume nicht von den Schäden der Hitzesommer 2018/2019. Bäume sterben mit Verzögerung.

Unserem Wald zuliebe muss die Schweiz im Klimaschutz dringlich aktiv werden. Mit dem verbesserten CO2-Gesetz, das demnächst im Ständerat behandelt wird, werden Massnahmen zur Senkung unseres Treibhausgasausstosses ergriffen. Eine Lenkungsabgabe auf Heizöl und Treibstoffen sowie eine Flugticketabgabe senkt die Attraktivität von fossilen Energien. Mit den Einnahmen wird einerseits über einen Klimafonds die Umsetzung der Energiestrategie 2050 gefördert, anderseits wird ein Teil an die Bevölkerung als Prämienverbilligungen zurückerstattet. Die Lenkungsabgabe ist sozialverträglich, denn Haushalte mit tieferen Einkommen profitieren. Energiesparen wird so belohnt, Verschwendung belastet.

Das CO2-Gesetz ist ein Schritt in die richtige Richtung und gibt den ökologischen Technologien eine Chance. Ähnlich wie die Schulen während dem Corona-Lockdown den Unterricht dank Computer umstellen konnten, so werden wir auf die erneuerbaren Energien umsteigen. Und wie das Homeoffice - dank Technologie in manchen Branchen möglich – uns erlaubte, trotz Lockdown zu arbeiten, so werden wir das Ziel Netto-Null Treibhausgase bis 2050 mit Innovationen erreichen.

Der Corona-Lockdown hat den Alltag und unseren sozialen Umgang verändert. Der Klimawandel bringt den Bäumen Trockenheit, wobei Monokulturen und der Eintrag von Stickstoffen aus der intensiven Landwirtschaft ihre Widerstandskraft schwächen und zu grosse Maschinen den Boden verfestigen. Europaweit stellen Förster und Agronomen fest, dass der heutige Waldbestand mit dem Klimawandel keine Zukunft hat. Immerhin stärkt die Biodiversität die Widerstandskraft der Bäume, die den Borkenkäfer mit Harz in Schach halten wird.