Griffige Massnahmen für den Klimaschutz

25.10.2019

AZ-Forum-Beitrag von Thomas Feer, Präsident Grüne Weinland

Nach diesem überwältigenden Wahlerfolg mit einer deutlichen Akzentverschiebung in Richtung Klimaschutz fordern wir Grünen konkrete und griffige Massnahmen im Klimaschutz. Das Ziel für eine klimaneutrale Schweiz bis 2050 haben Bundesrat und die Eidgenössischen Räte bereits gesetzt. Mindestens das CO2-Gesetz, wie es nach der Debatte im Ständerat vorliegt, ist schnell zu verabschieden und in Kraft zu setzen. Je früher die Umstellung von fossilen zu erneuerbaren Energien erfolgt, desto günstiger werden die Folgen des Klimawandels sein. Heute stehen wir am Anfang, die Kosten und Verluste in Folge des Klimawandels abzuschätzen, die zum Beispiel durch erhöhte Gesundheitsrisiken oder dürrebedingte Ernteausfälle entstehen. Allein der Schutz des Wallis vor Überschwemmungen durch die Rhone kostet eine Milliarde. Falls diese Massnahme nicht gemacht würde, könnten Schäden bis zu 10 Milliarden anfallen.

Statt Klimafolgen teuer zu bekämpfen, müssen wir die Ursachen angehen. Zu allererst ist das Verbrennen von Kohlenstoffen aus Erdöl, Kohle oder ihren Produkten wie Kunststoffe zu reduzieren. Dann sind auch die übrigen Quellen von schädlichen Treibhausgasen ins Visier zu nehmen. Eine davon ist die Landwirtschaft, die gemäss Treibhausgasinventar des Bundes heute für 14% der Emissionen verantwortlich ist. 

Die Landwirtschaft ist nicht nur Verursacher, sondern bietet auch die Chance, mit einer gekonnten Humuspflege eine bedeutende Menge an Kohlenstoff zu binden. Das Potenzial ist gross, weil die intensive Produktionsweise der vergangenen Jahrzehnte mit Pflügen, Dünger- und Pestizideinsatz sowie Trockenlegung von Sümpfen den Humusgehalt der Ackerböden und das Bodenleben massiv beeinträchtigt hat.  Seit Beginn der industriellen Agrarwirtschaft werden dadurch sehr grosse Mengen an CO2 freigesetzt.

Eine Schlüsseltechnologie ist der Humusaufbau, welcher Kohlenstoff im Humus bindet, der ansonsten als CO2 in die Atmosphäre gelangt. Einen Beitrag leisten auch Pionierbetriebe wie zum Beispiel in Flaach die „agroCO2ncept“, die mit Pflanzenkohle im Sinne von Terra preta den Boden anreichern. Diese Humuspflege betreibt der Mensch erfolgreich seit Jahrhunderten und wurde von Archäologen mehrfach nachgewiesen. 

Humusförderung hat weitere Vorteile: Je mehr Humus ein Boden enthält, desto stabiler ist der Ertrag bei besserer Qualität, desto mehr Wasser gegen Trockenheit wird gespeichert, die Fruchtbarkeit wird verbessert und der Düngereinsatz kann reduziert werden. Die Umstellung auf eine nachhaltige Bodenwirtschaft ist eine lohnende, aber langfristige Strategie. Für viele Bauern ist sie eine grosse Herausforderung, die Unterstützung und sachkundige Beratung nötig macht. Aber sie bietet unserer Landwirtschaft eine positive Zukunftsperspektive und findet sicher eine grosse Zustimmung in der Bevölkerung. Es wäre doch schön, wenn aus der Klimakrise eine schweizweit nachhaltige Landwirtschaft entsteht und die Bauern zu „Klimarettern“ werden.

Thomas Feer
Stammheim, Präsident Grüne Weinland