Sterben die lokalen Sender?

Seit zwanzig Jahren erhalten das lokale Radio und Fernsehen Geld von „Billag“. Mit dem Geld haben diese Sender finanzielle Stabilität und inhaltliche Qualität gewonnen. Heute steht kaum ein Lokalsender vor dem Bankrott. Und gleichzeitig deckt das SRF-Radio mit Regionalsendungen Kantone ab. Sind die lokalen Sender darum überzählig?

Ich glaube nicht. Denn die Schweiz ist ein föderaler Staat mit Regionen, die sogar von Alpentälern geprägt werden. Die Bevölkerung hat ein Bedürfnis nach ihren regionalen Informationen. Es mutet manchmal etwas exotisch an, dass die Rätoromanen als kleine Sprachgruppe eigene Sendungen haben. Doch das macht die Schweiz aus.

Die Schweiz hat mehrere Staatssprachen. Weil Sprache Voraussetzung für den demokratischen Prozess ist, werden Gesetze übersetzt und Debatten in mehreren Sprachen geführt. Was im Staat vielfältig ist, muss auch in den Medien möglich sein. Nebst den Zeitungen sind auch die elektronischen Medien eine Basis für die Demokratie, die nur mit unabhängiger Presse gelebt werden kann. Bei Wegfall der „Billag“ weicht die Unabhängigkeit der Berichterstattung den Interessen der privaten Gelbgeber.

Das Fundament der unabhängigen Berichterstattung hat das Radio bereits vor Jahrzehnten mit Sendungen wie „Echo der Zeit“ und das Fernsehen mit der Tagesschau gelegt. Spezialsendungen ergänzen die Nachrichten und bieten dem Hörer und Zuschauer differenziertere Informationen. Sendungen wie die Arena, Politmagazine u.a.m. sind ohne Grundgebühr kaum finanzierbar und würden eher durch „Glanz und Gloria“ abgelöst.

Heute ist das Schweizer Fernsehen und Radio bereit, Sendungen aus ihrer Produktion auch Lokalsendern zur Verfügung zu stellen. Damit stärkt die SRG die Privatsender und die unabhängige Berichterstattung. Denn ohne „Billag“ kaufen Geldgeber Sender ein und wir hören dann die „Landi Welle“, „Mediartis News“ oder sehen das „Blocher TV“.

Wir brauchen für eine gesunde Demokratie eine lebendige Medienvielfalt mit Sendungen, die qualitativ und attraktiv sind. Die Billag-Gebühr ist eine günstige Lösung im Vergleich zu Zeitungs-Abos und TV-Abos bei Swisscom und Co. Seit 1998 zahlt die Billag den Privatsendern aus dem Gebührentopf, wobei der Umfang vor 10 Jahren verdreifacht wurde.  Die Zukunft der Lokalsender ist mit „Billag“ gesichert und die Unabhängigkeit der Sender gestärkt. Darum ist die Abschaffung des Gebührenmodells „Billag“ ein Riesenverlust für die Schweiz und die Initiative abzulehnen.

Thomas Feer, Unterstammheim, Grüne Weinland