Nein zur Volksinitiative «Lehrplan vors Volk»

Kantonale Vorlage vom 4. März 2018

Volksinitiative «Lehrplan vors Volk»
NEIN


Darum geht es

Die Volksinitiative «Lehrplan vors Volk» verlangt in zwei Punkten eine Änderung der Verfassung des Kantons Zürich:

Zum einen fordert sie eine Anpassung des aktuellen Lehrplangenehmigungsverfahrens. Heute erlässt der vom Kantonsrat gewählte Bildungsrat den Lehrplan. Zukünftig soll der Regierungsrat den Lehrplan auf Antrag des Bildungsrats beschliessen und der Kantonsrat soll diesen genehmigen. Der Kantonsratsbeschluss wiederum soll auf Verlangen dem Volk zur Abstimmung unterbreitet werden (fakultatives Referendum). Lehnen der Kantonsrat oder das Volk die Genehmigung des Lehrplanes ab, muss der Regierungsrat dem Kantonsrat einen neuen Lehrplan vorlegen. Im Wortlaut der Initianten auf www.lehrplan-vors-volk.ch: Die Initiative will (…)  einzig den Entscheid über den Lehrplan (…) von der Exekutive in die Hände der Legislative übergeben.

Leider ist dies nur die halbe Wahrheit: Die Initiative verlangt nämlich auch eine Anpassung des Lehrplans. Aktuell regelt dieser verbindlich die Stufenziele und die grundlegenden Inhalte des Unterrichts und kann für einzelne Fächer verbindliche Jahresziele festlegen. Zukünftig soll er für die einzelnen Fächer die Ziele des jeweiligen Schuljahres festlegen. Was als geringfügiger Unterschied daherkommt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als deutlich mehr: Sowohl die Idee von Fächern als auch diejenige von Jahreszielen sind nicht mit der Fachbereichs-Struktur und dem klassenübergreifenden Zyklen-Modell des Lehrplans 21 vereinbar.


Deswegen sagen die Grünen Nein zur Initiative

Die Volksinitiative «Lehrplan vors Volk» gehört abgelehnt: Das heutige Lehrplanverfahren hat sich bewährt. Eine zeitgemässe inhaltliche Grundlage für unsere Volksschule tut zudem dringend not.

Mit dieser Initiative soll vor allem die Einführung des Lehrplans 21 im Kanton Zürich verhindert werden. In der Begründung der Initiative ist von der Einengung des Gestaltungsspielraums des Kantons durch den Lehrplan 21 und der Notwendigkeit einer stärkeren demokratischen Mitsprache und der Unterstreichung der kantonalen Bildungshoheit die Rede.

Die Initianten blenden dabei völlig aus, dass sich die Zürcher Stimmberechtigten 2002 klar für das Bildungsgesetz und damit für die Schaffung eines vom Kantonsrat zu wählenden Bildungsrates ausgesprochen haben. 2005 folgte das deutliche JA zum Volksschulgesetz und damit zum heute gültigen Lehrplangenehmigungsverfahren. Die Zürcherinnen und Zürcher haben 2008 auch die Harmonisierung der Lehrpläne auf sprachregionaler Ebene befürwortet (HarmoS-Konkordat). Im Kantonsrat war 2014 die parlamentarische Initiative ~Mehr Mitsprache beim Lehrplan» entsprechend chancenlos.

Ein Grossteil der die Initiative «Lehrplan vors Volk» unterstützenden wertkonservativen Kreise kritisiert am Lehrplan 21 auch Inhaltliches: Bei der Anhörung in der kantonsrätlichen Kommission für Bildung und Kultur haben deren Sprecher keinen Hehl daraus gemacht, dass ihnen der mit dem Lehrplan 21 entstehende Spielraum für mehr individualisierten Unterricht ein Dorn im Auge ist. Auch die Bildung für nachhaltige Entwicklung und die Auseinandersetzung mit Geschlechter- und Gleichstellungsfragen ist für einige Organisationen ein No-Go. Erstaunt es da, dass - wie eine letztjährige Recherche des Tages-Anzeigers ergab - im Initiativkomitee frühere Anhänger des Vereins für psychologische Menschenkenntnis (VPM) vertreten sind?

Mit einem Nein zur Initiative «Lehrplan vors Volk» stehen wir ein für das bewährte Lehrplangenehmigungsverfahren und eine zeitgemässe inhaltliche Grundlage für unsere Volksschule. Und wir erteilen der einseitigen Vereinnahmung der Volksschule durch äusserst wertkonservative Kreise eine Abfuhr.

 

Bild: Sensay / photocase.de