Kantonale Volksinitiative «Mehr Qualität - Eine Fremdsprache an der Primarschule»

Kantonale Vorlage vom 21. Mai 2017

NEIN

Nein zur realitätsfernen Fremdspracheninitiative vom 21. Mai 2017!

Die Fremdspracheninitiative verlangt die Konzentration auf eine Fremdsprache auf der Primarschulstufe. Die Freude der Kinder am frühen Fremdsprachenlernen sowie bildungs- und staatspolitische Gründe sprechen klar gegen das Begehren.

 

In einer hoch vernetzten Welt sind Fremdsprachen das Tor zur Welt. Eine kürzlich publizierte Studie zum Sprachenreichtum in der Schweiz zeigt, dass sich auch die Schweiz zunehmend von einem vier- hin zu einem mehrsprachigen Land entwickelt. Jede vierte Person ab 15 Jahren benutzt pro Woche bereits drei oder mehr Sprachen. Die jüngste Altersgruppe und Secondos sind besonders fremdsprachenversiert. Kinder – und das spricht für den frühen Fremdsprachenunterricht – zeigen sich Fremdsprachen gegenüber besonders offen. Ihr Zugang zu Fremdsprachen ist ein spielerischer und freudvoller. Die grosse Mehrheit der Kinder ist den zwei Fremdsprachen auf der Primarstufe gewachsen.

 

Ob Kinder in der Primarschule eine oder zwei Fremdsprachen erlernen sollen, ist längst eine nationale Frage. 2004 einigten sich die Kantone im Rahmen der EDK auf eine gemeinsame Sprachenstrategie: Spätestens ab der 3. Klasse wird eine erste und spätestens ab der 5. Klasse eine zweite Fremdsprache unterrichtet. Seit 2006 sind die Kantone per Verfassung dazu verpflichtet, wichtige Eckwerte im Bildungswesen – und dazu zählen auch die Ziele des Sprachenunterrichts – zu vereinheitlichen. Finden die Kantone keine einheitlichen Lösungen, kann der Bund diese vorgeben. Eine Annahme der Fremdspracheninitiative im Kanton Zürich würde deshalb aller Voraussicht nach den Bund auf den Plan rufen: Dass die Idee von Bundesrat Alain Berset, zwei Fremdsprachen in der Primarschule in einem Sprachengesetz zu verankern, mehrheitsfähig ist, hat eine Vernehmlassung im Herbst 2016 gezeigt.

 

Für die aktuelle Fremdsprachenpolitik hat sich das Zürcher Stimmvolk schon dreimal ausgesprochen: 2006 mit seinem Ja zum Bildungsartikel und seinem Nein zur damaligen Fremdspracheninitiative sowie 2008 mit seinem Ja zum Beitritt zum interkantonalen HarmoS-Konkordat. Der Kanton Zürich tut deshalb gut daran, in die Qualität des frühen Fremdsprachenunterrichts zu investieren anstatt eine Fremdsprache auf die Sekundarstufe zu verschieben.

 

Bild: markusspiske / photocase.de