Fusionen im Weinland

Forum-Artikel von Thomas Feer, Grüne Weinland, Unterstammheim

Das Weinland ist ein politisch stabiles Gebiet mit überschaubaren Gemeinden. Und plötzlich scheint diese „Ruhe“ von Fusionen erschüttert zu werden. Vor Jahren in den Schlagzeilen war das gescheiterte Fusionsprojekt im Flaachtal, neu füllen Fusionspläne im südlichen Weinland um Henggart und Andelfingen die Zeitungen. In Feuerthalen ist 2014 die Fusion von Schule und Gemeinde geglückt.

Es gibt wohl kaum ein Bezirk im Kanton Zürich, in welchem das Fusionsthema so oft auftaucht. Wie ist das zu erklären? Dazu gibt es keine einfache Antwort, denn es gibt auch mehrere Gründe. Während kleinere Gemeinden den Mangel an geeignetem Personal für die Behörden als Argument nennen, kommt auch das Risiko beim Steuerfuss hinzu. Beispielsweise können Fremdplatzierungen von Kindern, Sozialfälle und Altersarmut die Gemeinden unter den Individuellen Sonderlasten Ausgleich ISOLA zwingen. Einige Gemeinden sind bereits im Regime des ISOLA und mussten den Steuerfuss deutlich erhöhen.

Grössere Gemeinden sind geneigt, den kleineren Gemeinden zu „helfen“ und diese mit einer Fusion aufzunehmen (s. Sternenberg). Insofern gibt es Verständnis für die Sorgen der Nachbargemeinden. Daneben befeuern Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft Fusionsideen. Hohe Arbeitsbelastung und eine gesunkene Bereitschaft ein Gemeindeamt einzunehmen, führen dazu, dass geeignete Kandidaten absagen. Auch grosse Gemeinden spüren dies und vermerken, dass die hohen Ansprüche an die Behörden und der Kostendruck, bei dem die Zentren mithalten können, auch in unserem Bezirk nicht unbekannt sind.

Wenn im Süden des Weinlands eine „Megafusion“ startet, dann muss dies im Norden des Bezirks nicht ähnlich geschehen. Immerhin ist aber geographisch absehbar, dass eine Fusion in Weinland-West (Flaachtal), Weinland-Mitte (Marthalen), Weinland-Nord (Dachsen-Feuerthalen) und Weinland-Ost (Ossingen) als möglich gelten. Doch warten wir die Entwicklung ab, ob das Weinland in diesem Sinne neu organisiert wird.

Mit Blick auf diese geografischen Räume erscheint die Fusion im Stammertal als bodenständig und traditionell eingebettet. Dieser geografische Raum drängt sich als Gemeindegebiet auf. Seine Bewohner haben bereits eine langjährige Erfahrung von Schule und Vereinen und die Grenzen finden sich wohl auf Karten, aber nicht mehr in den Herzen.

So sinnvoll das Zusammenwachsen im Stammertal ist, so wichtig ist es auch, die Balance der Interessen und Bedenken vor der Abstimmung zu besprechen. Wie auch immer die Fusion zum Ort Stammheim an der Urne begrüsst wird, es ist das Ergebnis eines Prozesses, in welchem das Aufeinander-Zugehen manchmal zu kurz kam. Hoffen wir, dass bis am 24. September die aktuellen Bedenken den Chancen weichen.