Frieden und Wandel

von Thomas Feer, Unterstammheim, Grüne Weinland

Die Neutralität der Schweiz ist im Kern ein «Friedensversprechen» an die Nachbarstaaten und andere Nationen der Welt. Neutralität ist im Machtgefüge unter Nationen ein Mittel zur Förderung der friedlichen Koexistenz und des gegenseitigen Vertrauens. Neben der Schweiz gibt es weitere neutrale Länder in Europa.

Wenn auch das jahrzehntelange friedliche Nebeneinander der europäischen Nationen und der Nationen in anderen Kontinenten zu weniger Kriegen führten und – nach zwei Weltkriegen – gar Staatenbündnisse wie jenes der EU begünstigte, so gibt es heftige innerstaatliche Konflikte. Bürgerkriege wie in Jugoslawien, Libyen und Syrien führen uns vor Augen, dass Frieden nicht immer gegeben ist und dass es Entwicklungen unter Menschen gibt, die mit dem Töten von Mitmenschen scheinbar zu lösen wären.

In spannungsvollen Zeiten ist es schwierig, die friedliche Koexistenz einzufordern, denn mindestens zwei Parteien glauben, das wahre Argument zu führen. Wie sind diese Situationen zu bewältigen? Genügt es heute als neutraler Staat, wenn Konfliktparteien kein schweizerisches Kriegs- und Kampfmaterial erhalten? Immerhin stärkt der Verzicht auf Waffenexporte die Glaubwürdigkeit unserer Neutralität.

Aktuelle Konfliktherde sind weniger zwischen Nationen, sondern zwischen «Ethnien» und – neuerdings – MigrantInnen und Sesshaften zu identifizieren. Die grosse Zahl an MigrantInnen scheint gar den Zusammenhalt der EU zu bedrohen, obschon die Menschen unbewaffnet und mit wenig unterwegs sind. Sind es ihre Biografie und soziale Prägung, die eine Gefahr sind? Oder ist es unsere Angst, wenn Grundwerte und sozialen Errungenschaften durch ein immigriertes Parallelrecht und anderen Verhaltensweisen missachtet werden?

Ich denke eher nein, denn diese Menschen haben nicht prinzipiell einen Machtanspruch wie etwa Politiker, die ihre Armee zum Erhalt und Ausbau der wirtschaftlichen und strategischen Interessen einsetzen. Migrationen verändern und lösen einen Wandel aus, welcher ohnehin ein ständiger Begleiter unseres Lebens ist. Unsere Aufgabe ist es, diesen so zu gestalten, ohne dabei in Situationen zu gelangen, die in Un-Frieden enden. Frieden ist zwar ein hohes Gut, aber es muss nicht alles dem «Frieden zuliebe» angenommen werden.

Der Mensch kann seine Interessen formulieren und verhandeln. Und Frieden darf ausgehandelt werden. Das leisten beispielsweise bei staatlichen Konflikten diplomatische Vermittler oder Schiedsrichter und unter Mitmenschen Sozialarbeiter und Pädagogen, die beispielsweise Migranten in unsere Gesellschaft mit Sprachkursen und Kulturtraining einführen. Hoffen wir, dass diese Arbeit erfolgreich ist und zum Wohle von uns allen gelingt.