Food Waste

Thomas McAlavey, Rheinau

Können wir uns das leisten?

Essbare Nahrungsmittel in den Abfalleimer werfen zu können, ist eine Luxuserscheinung, die sich nur Menschen in den reichen Industrieländern leisten können. Wir alle können etwas dagegen tun: Mehr Bewusstsein während des Einkaufs und mehr Kreativität bei der Verarbeitung der Essensresten sind ein Anfang.

Noch nie in der Geschichte hatten wir in der Schweiz ein so breites Angebot an Nahrungsmitteln wie heute. Alle singen ein Loblied auf die Saisonalität  und natürlich auch noch gleich auf die Regionalität. Gehe ich dann aber hier im Weinland in den Dorfladen, liegen Blumenkohl und Eisbergsalat aus Spanien im Regal. Diese haben in der Schweiz von Frühling bis Herbst Saison. Federkohl und Nüsslersalat wären die saisonale Alternative dazu. Die Fülle auf dem Esstisch setzt jedoch unsere Wertschätzung dem Essen gegenüber merklich herab. Die Lebensmittelkosten erscheinen uns - verglichen mit jenen in unseren Nachbarländern - zwar ziemlich hoch. Dabei vergessen wir gerne, dass wir auch viel höhere Löhne haben.

Die Schweizer Bevölkerung wendet für die Ernährung 10.2% ihres gesamten verfügbaren Einkommens auf. Nur in vier Staaten weltweit wird laut der US-Landwirtschaftsbehörde günstiger gegessen.

Eine grosse Auswahl bei geringen Ausgaben, das tönt doch wunderbar? Eigentlich schon, ginge damit nicht die Nahrungsmittelverschwendung einher, mit welcher wir heutzutage in der Schweiz konfrontiert sind. Wir werfen einen Drittel der essbaren Nahrungsmittel weg.  Für die Produktion der Lebensmittel, welche wir in der Schweiz jährlich wegwerfen, benötigen wir eine Fläche, die doppelt so gross ist wie der Kanton Zürich!  Dies macht ökonomisch und ökologisch gesehen keinen Sinn. Für mich ist dies aber in erster Linie moralisch nicht vertretbar, denn auf unserer Welt hungern mehr als 800 Millionen Menschen. Die 1.3 Millionen Tonnen Nahrungsmittel, welche weltweit weggeworfen werden, würden kalorienmässig ausreichen um 3.5 Milliarden Menschen zu ernähren. Wir könnten somit den Hunger besiegen und die negativen Folgen der intensiven Nahrungsmittelproduktion auf die Umwelt minimieren. Denn bis die Nahrungsmittel vom Feld auf unserem Teller sind, werden viele Ressourcen verbraucht: Die Landmaschinen und die Kunstdünger verbrauchen Erdöl, durch die Bodenbearbeitung und die intensive Tiermast werden Treibhausgase freigesetzt und die Produktion von Kraftfutter im Ausland für unsere inländische Tiermast gefährdet dort Weideland und Wälder, welche grosse Kohlenstoffspeicher sind. Leider werden nicht nur pflanzliche Lebensmittel weggeworfen: Auch 19 % der Fleischprodukte landen im Abfall. Dass Tiere nur für den Abfall ihr Leben lassen, muss unserer Gesellschaft sauer aufstossen.

Wir Jungen Grünen kämpfen nicht nur politisch gegen foodwaste, auch das letztjährige Weihnachtsessen bestand grossmehrheitlich aus Nahrungsmitteln, welche ansonsten im Müll gelandet wären. Und das Essen war sehr lecker!