Finanzielles Grossrisiko AXPO

Mi 25.03.15

Die Studie «AXPO – finanzielles Grossrisiko für den Kanton Zürich» von Dr. Rudolf Rechsteiner zeigt, dass die AXPO im Umfeld des europäischen Strommarktes denkbar ungünstig investiert ist. Damit steigt für die Aktionäre der AXPO das Risiko, dass die AXPO mittel- bis langfristig entweder saniert oder abgewickelt werden muss. Die Grünen der AXPO-Kantone fordern die Verantwortlichen in den AXPO-Kantonen auf, gemäss den Grundsätzen der Public Corporate Governance Transparenz in die Risiken der AXPO-Beteiligung zu bringen. Es fehlen heute wesentliche Aussagen zur Werthaltigkeit der verschiedenen Sparten. Insbesondere sind die laufenden und zukünftigen Verpflichtungen der AXPO Holding AG und der Aktionäre detailliert darzustellen. Der Verwaltungsrat der AXPO wird aufgefordert, zügig eine Neuausrichtung an die Hand zu nehmen, damit das finanzielle Grossrisiko für die Aktionäre abgebaut wird.

Die AXPO hat die Entwicklung im europäischen Strommarkt aus ideologischen Gründen ignoriert

Im Seminar der AXPO/EKZ vom 15.02.2006 zu den Stromperspektiven 2020 wurde den eingeladenen PolitikerInnen für das Jahr 2020 im Umfeld des europäischen Strommarktes ein Ersatz- und Zusatzbedarf von rund 300‘000 MW prognostiziert, was in etwa 700 Gas-Kombikraftwerken entspricht. Die Gestehungskosten für Windenergie wurden für das Jahr 2020 mit 13,4 Rp/kWh prognostiziert, die Gestehungskosten für Photovoltaik mit 69,3 Rp/kWh. Als weitere Konklusion wurde prognostiziert, dass ab 2013 ein zusätzlicher Bedarf nach Spitzenenergie und ab 2018 ein zusätzlicher Bedarf an Bandenenergie nötig sei. Damit war das Märchen der «Stromlücke» in die Welt gesetzt. Daraus wurde auch eine mittelfristige Strompreiserhöhung in Aussicht gestellt.

9 Jahre später sind diese Prognosen samt und sonders Makulatur. Die Photovoltaik hat im europäischen Strommarkt den Preis für Spitzenenergie über Mittag massiv reduziert. Damit ist die Werthaltigkeit der AXPO-Investitionen in Pumpspeicherwerke und Gas-Kombikraftwerke erodiert. Die Amortisation der Nachrüstung der AKW Beznau I und II wird die Bilanz der AXPO Holding AG auf Jahre hinaus belasten und zu einem Mittelabfluss führen.

Intransparente Risiken, intransparente Verpflichtungen

Das Gutachten von Dr. Rudolf Rechsteiner summiert die intransparenten Risiken aus Fremdkapital von Partnerwerken, geschuldeten aber nicht ausgewiesenen Stilllegungs- und Entsorgungskosten sowie der Überbewertung der AXPO-Beteiligung an den AKW Gösgen und Leibstadt zusammen auf 11.73 Mia. CHF. Dazu kommen noch die nicht budgetierten Nachrüstungskosten. Somit erweist sich das Eigenkapital der AXPO Holding AG als tiefer als effektiv ausgewiesen. Damit stellt sich für die AXPO-Aktionäre, das heisst die AXPO-Kantone und Kantonswerke, die Frage, ob, wann, von wem und in welcher Höhe analog der ALPIQ Kapital nachzuschiessen ist. Die Grundsätze der Public Corporate Governance der Eigentümerkantone verlangen eine gründliche Risikobeurteilung der Beteiligungen der öffentlichen Hand. Hier sind die AXPO-Kantone aufgefordert, diese Risikobeurteilung detailliert aufzuzeigen.

Neuausrichtung der AXPO

Das Gutachten von Dr. Rudolf Rechsteiner zeigt auf, dass eine Neuausrichtung der AXPO auf werthaltige Geschäftsfelder dringend nötig ist. Die Grünen fordern die Kantonsregierungen der AXPO-Kantone auf, diese Neuausrichtung zügig an die Hand zu nehmen. Dabei steht eine Trennung von guten und schlechten Vermögenswerten im Vordergrund. Damit erhalten die AXPO-Kantone Handlungsspielraum. Die finanzielle Ausblutung der Wasserkraft durch die AKW ist zu stoppen. Werthaltige Geschäftsfelder wie Stromhandel, Energieeffizienz und Neue erneuerbare Energien können der AXPO eine Zukunft bringen.

Die Grünen der AXPO-Kantone an der Medienkonferenz (vlnr): Urs Capaul (SH), Gertrud Häseli (AG), Kurt Egger (TG), Dr. Rudolf Rechsteiner (Ökonom), Esther Guyer (ZH), Robert Brunner (ZH)